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Alltagsbeschreibung


8.00 Uhr an der Bank am Hasenburger Bach hinter dem Bauwagen.

Innerhalb der nächsten Viertelstunde treffen hier 15 kleine und ein paar große Menschen ein. Ein paar gutgelaunt und mitteilsam, ein bis zwei Kinder haben schon ihren Morgenstreit hinter sich und sind noch am Verdauen, andere sind noch müde und kuschelig, traurig und kuschelig, energiegeladen, schüchtern, kasperig... Erlebnisse werden erzählt, neue Kleidungsstücke und Aua`s werden bewundert und mitgefühlt, Nasen geputzt, kurze Informationen unter den Erwachsenen ausgetauscht, letzte Vorbereitungen für den Waldgang getroffen (Zeckenöl? Sonnenhut? Südwester? Gummihose? Handschuhe? Das eben gefundene Blatt, Stein, Stock gleich in den Rucksack?...). Einige Kinder beginnen gleich ihre gemeinsamen Waldabenteuer.

Um 8.30 Uhr fassen wir uns zum Morgenkreis an den Händen und rücken dicht zusammen zu einem ganz schlappen Luftballon, den wir mit aller Kraft so groß aufpusten, daß er platzt: PENG!
Wir singen und klatschen: „Wir stehen im Kreis, ja das sind wir! Nun seht Euch einmal um: Wer ist denn hier?"

Alle, die mitlaufen, werden beim Namen genannt: Simon ist hier, Hanna ist hier....
Und alle zusammen, das sind wir!"
Manche Eltern laufen noch bis zu einem mit den Kindern vorher vereinbarten Ort mit, die anderen Eltern, die den Morgenkreis noch mitgemacht haben, verabschieden sich gleich.
Trennung von den Liebsten wird gelernt, Vertrauen/Wissen, daß sie in ein paar Stunden wieder da sind, daß es auch ohne sie schöne Stunden gibt. Und damit ausgerüstet und von den anderen freundlich begleitet, kann die Freude an den gemeinsamen Stunden im Wald wachsen.




2 Erwachsene haben nur 4 Hände, immer zu wenig für die vielen „ Ich will an Deine Hand!". Abwechseln bei der Bank an der Mülltonne, an der Bachkreuzung — manche Kinder können auf die Erwachsenenhand von sich aus verzichten, wenn sie merken, daß ein anderes Kind ganz dringenden Bedarf hat.

Entfernungen benennen und erfahren: wenn ich warte, sind die lang, wenn ich spiele, kurz.
Wo geht`s lang?
Wir können den Weg nach links gehen:
über den modrigen Graben mit den darübergelegten Ästen.
Wie geht das alleine, wenn das Holz rutschig und feucht ist und der Berg dahinter so steil, daß man beim Klettern die Hände zu Hilfe nehmen muß?
Manche Kinder wollten sich anfangs nicht abstützen, weil ihnen die dreckigen Hände so unangenehm waren.

Oder gehen wir in die andere Richtung:
am Bach entlang, wo ein paar geschickte, mutige Kinder den gefährlich steilen Sandberg runterklettern (Ohne in den Bach zu fallen! Bitte!)?
Waghalsige Kunststücke machen, den Trampelpfad herunterkullern, Steinchen ins Wasser werfen und hören, wie sie plumpsen,
das lose Brett von der Bank nehmen, auf die Erde legen, ein bißchen palavern und wieder rauflegen (Waldarbeiter);
sich gegenseitig umschubsen, tot sein, wieder lebendig sein;
sich verstecken, schöne Sachen entdecken und sammeln,
bohren, rennen auf die anderen, „DIE LAHMEN SCHNECKEN!!„ an der Kreuzung warten, Bäume und Berge besteigen, Angeln, Fische braten (Blätter auf den Stock spießen), in einer ebenerdigen Baumgabelung einen Laden eröffnen und den anderen Frühstücksbrötchen und Kakao verkaufen,
Geschichten erzählen, singen, Quatsch machen, lachen stolpern, weinen trösten, streiten, schimpfen, quengeln, quietschen, schreien, Pipi machen...
alles innerhalb von 30-60 Minuten, bis wir an unserem Frühstücksplatz angekommen sind.

Wir begegnen Hundebesitzern mit ihren Tieren und lernen miteinander:
die HundehalterInnen verstehen, daß sie ihre Tiere anleinen müssen, wenn sie sehen, daß einige Kinder panische Angst bekommen vor ihren tobenden Tieren. Die Litanei "Der tut nichts, der ist ganz lieb!" hilft den kleinen, die vor ihrem Gesicht plötzlich eine lachende Hundeschnautze haben, gar nichts.

Angst haben und lernen damit umzugehen: Was für ein gutes Gefühl, in der Angst die eigene Stimme als Schutz vor dem Hund zu gebrauchen, ganz laut: AB!!" zu rufen — und zu merken:
ES FUNKTIONIERT! Der Hund läuft weg, wenn ich laut mit ihm schimpfe, springt mich nicht an, will eigentlich mit mir auf seine Art spielen und beißt nicht.
Inzwischen sind das tägliche, freundliche Begegnungen, die Kinder erkennen die unterschiedlichen Hunde schon von Weitem, wissen ihre Namen, führen Gespräche mit den BesitzerInnen, streicheln die Tiere oder spielen einfach weiter.

Die Angst vor den großen und kleinen Tieren verlieren. Die Kinder, die anfangs ganz große Angst hatten, sind sehr stolz darauf, daß sie mutiger geworden sind und sich oft/meistens nicht mehr fürchten.
Am Anfang: „IIIIIIIHHHHHHHH!!!!!!! EINE SPINNE/FLIEGE/KÄFER!!! MACH DAS WEG!!!!" (Nicht bei allen). Jetzt: Ist manches immer noch ein bißchen unheimlich (Die Spinne auf der Hand), aber es wird ruhiger ausprobiert.

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... Inzwischen kennen wir etwa 6 Frühstücksplätze, die wir je nach Witterung und Lust aufsuchen. Zu den entferntesten laufen wir ca. 1 Stunde, das ist sehr weit für einige Kinder. Aber jeder Platz hat seinen eigenen Reiz:
einer hat eine kleine Schlucht zu Füßen,
mit einer umgekippten Baumwurzel zum Motorrad-/Omnibus-/Flugzeug-/Autofahren und -reparieren,
mit hellem Sand zu Buddeln.
Die Schlucht kann man den ganzen Vormittag hoch- und runterklettern.
In der Nähe ist eine große Straße (deswegen ist dieser Platz bei den Erwachsenen ein nicht sehr beliebtes Ziel - ), auf die man so schön von oben herunterschauen kann und sich gegenseitig die Autotypen beibringt.
Die Kinder gehen gerne dort hin, weil der Weg nicht so weit ist, und es unser erster gemeinsam bespielter Platz ist.
Ein anderer Frühstücksort liegt unten am Bach, zwischen hohen Buchen wie eine Schüssel, noch ein anderer zwischen Bäumen mit Moos und vielen Klettermöglichkeiten daneben.
Manchmal muß es der Waldspielplatz mit der Holzwippe und der Sandkiste sein, manchmal der andere Spielplatz mit den vielen vertrauten Geräten...
Rucksäcke ab, ein langes (leichtes Plastik-)Tischtuch wird ausgebreitet, auf das wir unser Frühstück ausbreiten können, und an dem wir auf unseren Isomatten sitzen.
Das ist unsere eigentliche Morgenrunde, die sich manchmal sehr lange hinzieht.
Nachdem vorher alle in Bewegung waren: Zusammensitzen, Essen, Trinken, Ruhe -?

Es ist unglaublich, wieviel die Kinder erzählen, angefangen bei Inhalt der Brotdosen und Trinkflaschen inclusive Tauschen und Abgeben.

Es sind so viele "Kleinigkeiten", die die Kinder lernen:
Knoten lösen, die Schnalle der Rucksäcke/Brotdosen/Trinkflaschen öffnen,
wie lege ich meine Brotdose auf die Erde.


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